BDTA-Unternehmertagung am 18. April 2018 in Dresden

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Wie schon in den vergangenen Jahren fand auch in diesem Jahr die Jahrestagung des Bundesverbands Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automaten-Aufsteller (BDTA e.V.) im Taschenbergpalais in Dresden statt, an dem auch Gäste aus der Industrie sowie Zulieferer aus dem Automatengewerbe teilnahmen.
Der BDTA-Vorsitzende Dr. Michael Reisen hieß im Rahmen der Eröffnung der Unternehmertagung am vergangenen Mittwoch knapp 120 Veranstaltungs-Teilnehmer herzlich willkommen.


Bevor er auf sachliche Themen einging, gedachte Michael Reisen noch einmal dem im Dezember verstorbenen Geschäftsführer Carsten Zenner in einer Schweigeminute.

 

Michael Reisen blickte zu Beginn seiner Einführungsrede auf einen für den Handel zufriedenstellenden Marktverlauf 2017 zurück. Der Absatz im Markenzigarettensegment in 2017 gegenüber dem Vorjahr sei zwar um etwas mehr als 3,0% auf insgesamt 67,0 Mrd. Stück zurückgegangen; dennoch sei die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Branche im Ge-schäftsjahr 2017 überwiegend positiv verlaufen. Eine weitere – wenig überraschende - Erkenntnis sei aber auch, dass der absolute Preis der Cigarette weiterhin an Bedeutung zunimmt. Dies drücke sich unter anderem dadurch aus, dass im Jahr 2014 zum ersten Mal das untere Preissegment (Handelseigenmarken und „Billigpreislagen“ im Markencigaretten-Segment) über die Hälfte des Gesamtabsatzes bei der Fabrikcigarette (50,3%) repräsentierte und dieser Trend sich auch in 2017 (51,2%) weiter fortsetzte. Beim Blick auf die Staatseinnahmen aus der Tabaksteuer betonte Reisen, dass sich das 5-stufige Tabaksteuermodell, das Ende 2015 ausgelaufen ist, für den „Fiskus“ gerechnet hat. Vor dem Hintergrund einer konstant hohen Einnahmesituation jenseits der 14 Mrd. EURO-Grenze in den letzten Jahren sei es umso bemerkenswerter, dass sich der Gesetzgeber bisher sehr zurückhaltend gezeigt hat, dieses Modell über die nächsten Jahre fortschreiben zu wollen.
Reisen kritisierte zudem auch die weiterhin schwindende Branchensolidarität, insbesondere vonseiten der Hersteller und Lieferanten. Die Entscheidung PMIs, eine Anti-Raucher Kam-pagne zu steuern, um mehr Verbraucher von den Heat-not-burn Produkten zu überzeugen, schießt in Reisens Augen weit über das Ziel hinaus. Reisen betonte allerdings, dass die Verbandsmitglieder sich auf sich selbst und ihre Kompetenzen besinnen müssten, um sich unverzichtbar zu machen.
Auch im kommenden Jahr steht die Branche regulatorischen Schwierigkeiten gegenüber: Die Einführung des sog. Tracking & Tracing, des Systems zur Rückverfolgbarkeit bis zur einzelnen Packung, stellt die Branche vor hohe logistische und organisatorische Herausforderungen.
Laut Reisen kann der Fokus der Branche nun nicht mehr auf der Verhinderung dieser Richtlinie liegen, da diese endgültig verabschiedet wurde. Vielmehr gelte es nun eine möglichst pragmatische und vor allem einheitliche Lösung bis zum 20. Mai 2019 zu finden.

 

In mühsamen und langen Gesprächen wurde gemeinsam mit Arbeitskreisen der Politik Wissen erworben und an Entscheider weitergegeben, sodass der Verband vorsichtig optimistisch ist, eine allgemeingültige IT-Lösung für die Mitgliederbetriebe zu finden. Dies sei aus Praktikabilität und aus Kostengründen unabdingbar.
Dass eine Zusammenarbeit möglich und erfolgversprechend ist, zeige die kreative Lösung zu Warnhinweisen auf Cigarettenautomaten. Der BDTA hat im vergangenen Jahr sämtliche Mitgliederbetriebe und andere Automatenaufsteller dazu angehalten, die Automaten mit sog. Warnhinweisaufklebern auszustatten, um der anhaltenden Kritik der Nichtraucherschutz-Verbände entgegen zu treten. Diese Maßnahme wurde von der Politik wohlwollend zu Kenntnis genommen. Eine zweite Generation an Aufklebern wird aktuell hergestellt, um wei-teren Anforderungen entgegen zu kommen. Hier sei eine flächendeckende nationale Umset-zung unheimlich wichtig, um die Glaubwürdigkeit des BDTA zu betonen, so Reisen.
Im letzten Teil seiner Rede ging Michael Reisen erneut darauf ein, dass das gesellschaftliche Umfeld der Tabakbranche, aber auch anderer Branchen stärker vom Mainstream als von Rationalität geprägt ist. Dieses Problem werde an kleinen Beispielen deutlich. Während die Welt in der Realität tatsächlich besser werde, fühle es sich häufig so an, als würde alles im-mer schlimmer.

 

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Zum Abschluss seiner Rede stellte Michael Reisen noch die beiden neuen Geschäftsführer des BDTA, Andreas Landwehr und Sascha Waltemate, vor.

 

Im Rahmen des zweiten Programmteils hieß Michael Reisen die Gastredner der Tagung, Herrn Ulf Posé und Herrn Michael Griess willkommen.
Ulf Posé, anerkannter Wirtschaftsethiker und Personaltrainer sprach dabei über Ethik und Moral in der heutigen Wirtschaft und hinterfragte in seinem Vortrag die Entwicklung geld- und wirtschaftspolitischer Ereignisse. Er benannte zudem die fortschreitende Verrohung in der Gesellschaft und den schwindenden Anstand sowohl im geschäftlichen als auch im privaten Bereich.
Der zweite Gastredner, Michael Griess, Commercial Director Nielsen Deutschland, gab in seinem Vortrag Einblicke in die Entwicklung der Alternativen zur klassischen Cigarette. Er stellte heraus, dass der klassische „Marlboro Mann“, die klassische Fabrikcigarette, zwar abgelöst werde, die Alternativen jedoch immer noch weniger als 1% des Gesamtmarktes ausmachen. Zudem zeigte er auf, welche Anforderungen Verbraucher an ihr Alternativprodukt stellen und welche Vorstellungen sie von diesem Produkt haben.

 

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Das hochkarätig besetzte Podium (v.l.n.r.): Michael Griess (Commercial Director Nielsen Germany), Ulf Posé (Wirtschaftsethiker, Personal Trainer), Markus Essing (Managing Director Philip Morris Deutschland), Georg van der Mee (Einzelhändler aus Neuruppin)

 

Abgerundet wurde die Unternehmertagung durch eine Podiumsdiskussion unter der Leitung des BDTA-Vorsitzenden Paul Heinen.
Die Teilnehmer Markus Essing (Managing Direktor Deutschland Philip Morris), Michael Griess (Commercial Director Nielsen Deutschland), Georg van der Mee (Einzelhändler aus Neuruppin) und Ulf Posé (Wirtschaftsethiker und Personaltrainer) stellten sich einer Reihe von Fragen u.a. zu dem Themenblock „E-Cigarette und alternative Rauchmittel“.
Die Teilnehmer waren sich einig, dass die E-Cigarette oder andere Alternativen die klassische Cigarette nicht ersetzen können. Sowohl Markus Essing als auch Ulf Posé machten deutlich, dass Branchenprimus PMI mit seiner Anti-Cigaretten Kampagne in Großbritannien lediglich provozieren wollte und sich als Tabakwarenproduzent nicht vom Traditionsprodukt abwenden wird. Griess erläuterte dass der Markt der alternativen Rauchmittel derzeit stagniert. Auf Nachfrage seitens Moderator Paul Heinen, wann die sog. New  Generation Products einen zweistelligen Marktanteil erreichen, gab Griess an, dass dies schwer abzuschät-zen sei, er aber etwa 2022 damit rechne. Vorab sei aber eine Konsolidierung des E-Cigarettenmarktes nötig. Dem stimmte auch van der Mee zu, der zu bedenken gab, dass die Anzahl an derzeitig verfügbarer Hardware zu groß sei, als dass ein Einzelhändler alles vorrä-tig haben könne.
Posé führte zudem an, dass der Konsum von E-Cigaretten gesellschaftskonformer sei, da er suggeriere, gesünder zu sein. Nichtsdestotrotz ziehen die Produkte noch keine Massen an, da vielen Produkten der gewisse „Kick“ fehle, so van der Mee.
Für einen gelungenen Abschluss der Fachtagung des BDTA sorgte am Abend das Get-together aller Teilnehmer in einem Restaurant mit wundervollem Blick auf die Elbe. Dabei kamen die Teilnehmer bei Getränken und Speisen frei und ungezwungen miteinander ins Gespräch und diskutierten über das vorher Gehörte.

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